Die „Insel der Götter“ ist die Schönheitskönigin Indonesiens und bietet neben Kultur und Landschaft auch eine ganze Menge interessanter irdischer Genüsse. Ein Lokalaugenschein von Renato Zappella.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe auf Bali keinen einzigen Gott gesehen. Der Verdacht liegt also nahe, dass es gar keine Götter gibt (und zwar nicht nur auf Bali). Das hält die Balinesen aber nicht davon ab, ihre Götter zu huldigen. Hier stehen mehr Tempel pro Einwohner als sonstwo auf der Welt – jedes Haus hat einen, und wenn er noch so klein ist. Darüber hinaus besitzt jedes Dorf drei davon: einen im Norden, einen im Zentrum und einen im Süden. Ganz bestimmt gibt es auf der Insel auch mehr Buddha-Statuen als Balinesen, darauf können Sie wetten. Die Bewohner Balis sind ein freundliches Volk. Der Großteil der 3,3 Millionen Einwohner (92 Prozent) sind Hindus, was insofern eine Besonderheit darstellt, als Bali die einzige Weltgegend außerhalb Indiens und Nepals mit bodenständiger hinduistischer Bevölkerung und gleichzeitig die einzige hinduistische Insel Indonesiens ist. Das Land ist fruchtbar und das Klima tropisch warm mit hoher Luftfeuchtigkeit; im Jahresmittel liegen die Temperaturen bei 24 bis 34° Celsius. Die meisten Berge Balis sind vulkanischen Ursprungs und bedecken etwa drei Viertel der gesamten Inselfläche. Der Vulkan Gunung Agung (wörtl.: „Großer Berg“) ist mit 3.142 Meter der höchste Berg der Insel. Für die Balinesen gilt er als Sitz der Götter. Beim letzten Ausbruch im Jahre 1963 forderte er 2000 Menschenleben und verwüstete zahlreiche Dörfer und Felder. Die meisten Balinesen sind nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt. Es gibt zwar Arbeit für alle, aber die ist schlecht bezahlt. Das Durchschnittseinkommen in Bali beträgt gerade einmal hundert Euro monatlich; trotzdem sind die Leute freundlich zu dir, auch wenn sie wissen, dass eine Nacht in deiner Villa tausend Euro kostet. Das Inselinnere ist für die Landwirtschaft zu gebirgig, die schmalen Küstenstreifen im Norden und Osten eignen sich nur bedingt. Das Hauptanbaugebiet befindet sich im flachen und sehr fruchtbaren Süden der Insel. Reis ist das wichtigste Nahrungsmittel und Anbauprodukt der Insel und wird hauptsächlich für den Eigenbedarf produziert. Kokosnüsse, Kaffee und Schweinefleisch sind die bedeutendsten Exportprodukte. Für den Eigenbedarf werden vor allem Erdnüsse, Chilis, Zwiebeln, Sojabohnen oder andere tropische Gemüsesorten und Früchte angepflanzt. Die einzige nennenswerte Industrie ist die Textilindustrie. Billige Strandkleidung, von Frauen zum Teil in Heimarbeit gefertigt, wird im In- und Ausland vermarktet. Außerdem exportiert Bali eine Menge Kunsthandwerk. Mittlerweile ist jedoch der Tourismus der wichtigste Devisenbringer. Bali ist die am häufigsten besuchte Insel Indonesiens und deckt wesentliche Teile seines Haushalts mit Mitteln aus dem Fremdenverkehr ab. Heute kommen etwa vier Millionen Besucher jährlich. Trotzdem hat Bali auch jenseits des Tourismus immer seine eigenständige kulturelle Identität bewahrt. Von den etwa 5000 Tanz- und Gamelan-Gruppen, die regelmäßig ihre religiösen Zeremonien abhalten, sind nur wenige ausschließlich für die Touristen aktiv.

Ein besonderes Erlebnis war unser Besuch beim Pura-Desa-Tempel im Zentrum von Ubud. Alle 210 Tage wird dort ein „Jahrestag“ gefeiert. Wir hatten Glück und konnten hunderte Frauen in kunstvoll bestickten Blusen sehen, die auf ihren Köpfen Opfergaben zum Tempel brachten. Hauptsächlich Essbares – was wohl einer der Gründe sein dürfte, warum balinesische Mönche so gesund aussehen. Generell sollte ein Besuch des kunstbeflissenen Ubud bei keinem Bali-Urlaub fehlen. Hier gibt es nicht nur einige der interessantesten Hotels der Welt in zauberhafter Umgebung – wie zum Beispiel das Uma Ubud, das sich mit seinem modernen Design ästhetisch und geheimnisvoll in die balinesische Umgebung integriert. Essen kann man dort übrigens auch hervorragend. Die Gegend in und um Ubud kann sich überhaupt kulinarisch sehen oder vielmehr schmecken lassen. Das angeblich beste Restaurant ist das Mozaic. Für Kulturinteressierte ist diese Stadt sowieso ein Muss – wenn ein balinesischer Künstler etwas auf sich hält, lebt er in Ubud. Und einige sind sogar das Geld wert, das sie für ihre Bilder verlangen. Um die Hälfte herunterhandeln sollte man die geschäftstüchtigen Kreativen trotzdem. An der Südküste gelegene Orte wie Kuta, Legian und Seminyak haben sich im Laufe der letzten Jahre stark „verwestlicht“. Hier gibt es nicht nur die meisten tollen Strandhotels, sondern auch jede Menge Discos, Shops, Bars und Nachtclubs aller Art. Die meisten Touristen kommen aus Indonesien, Australien, Japan, England, Deutschland und den Niederlanden. Der Flughafen liegt in der Nähe der Küstenstädte Jimbaran und Kuta. Wer das Glück hat, im Four Seasons Jimbaran zu wohnen, kann vom privaten Pool aus den Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen. Gefährliche Tiere gibt es auf Bali nicht; die Damen können also beruhigt leichtes und elegantes Schuhwerk mitbringen. Der Bali-Tiger ist seit den 1940er Jahren ausgestorben, auch in Zoos gibt es leider keine lebenden Exemplare mehr. Letzte unbestätigte Sichtungen reichen bis in die frühen Fünfziger zurück. Auch außerhalb geschützter Reservate sind Affen, vor allem Makaken und Grauaffen, anzutreffen. Besonders nahe kommt man unseren nächsten Verwandten im Uluwatu-Tempel im Süden Balis. Achten Sie aber auf Kameras und Sonnenbrillen – die flinken Viecher haben schon so manchem Urlauber seine teure Silhouette-Brille geklaut. Bei Sonnenuntergang ist hier Hochsaison. Viele Balinesen huldigen dem Sunset, wo immer es geht, Touristen spielen da nur eine Nebenrolle. Der Tempel selbst ist – wie viele auf Bali – eine eher uninteressante Ruine. Dennoch ist der Blick von der Steilküste bei untergehender Sonne einen Besuch wert.

Wenden wir uns den kulinarischen Genüssen zu. Der oberste Grundsatz der balinesischen Küche heißt Andacht. Von den Speisen des Tages wird täglich geopfert, bevor die Menschen davon essen. Viele Speisen werden speziell zu rituellen Zwecken zubereitet und nach der Zeremonie verspeist. Essen ist Gebet. Balinesen messen im Alltag dem Essen keine eigene Rolle zu. Das in lustvoller Arbeit Gekochte wird oft ganz nebenbei genüsslich verspeist. Geselliges Beisammensein bei einer Mahlzeit spielt keine Rolle, da man sowieso viel beieinander ist.
Anders die Haute Cuisine, die mit dem Tourismus in Bali Einzug gehalten hat. Hier wird geköchelt, was das Zeug hält, ganz dem aktuellen Trend entsprechend. Viele große Küchenchefs aus Europa werken hier oder haben talentierten einheimischen Köchen ihr Handwerk beigebracht. Klar ufert sowas manchmal aus; gerade die großen Hotelketten versuchen einander durch abstrakte Arrangements zu übertrumpfen, und das geht – wie überall – manchmal in die Hose. Eine gelungene Kreation ist das beliebte „Beds on the Beach“-Dinner im Four Seasons Jimbaran. Hunderte von Kerzen verzaubern jeden Donnerstag den Strand, dazu gibt es in eigens dafür aufgestellten Kojen ein romantisches Abendessen für Verliebte. Apropos Romantik: Das Uma Ubud bietet große Küche mit unvergesslichem Blick auf den beleuchteten Teich. Sous-Chef I Dewa Gede Darma Mastika läuft in Abwesenheit seines Meisters zur Höchstform auf, der australische Chef Chris Miller kann also getrost Urlaub machen.
Balinesen kochen gut. Das beweist auch Ayu Wijanari, die im Boutiquehotel The Elysian in Seminyak den Löffel schwingt. So gut kann traditionelle balinesische Küche schmecken, wenn die Chefin Hand anlegt. Ein weiteres gastronomisches Highlight bietet das Anantara in Seminyak dank zweier Persönlichkeiten: Der spanische Patriot, Barcelona-Fan und General Manager Ivan Casadevall hat seinen Landsmann – Chef Mateo – eingeflogen, um den Balinesen zu zeigen, was spanische Köche so draufhaben. Und das ist ihm auch gelungen: Mateo kocht ebenso virtuos, wie Paco de Lucia Gitarre spielt. Die optische Ähnlichkeit der beiden ist purer Zufall. Nun aber zu den kompromisslosen Haute-Cuisine-Meistern des St. Regis in Nusa Dua. Das Luxushotel der Starwood-Gruppe wird seinem Ruf gerecht und hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den betuchten Gästen alles zu bieten, was gut und teuer ist. Auch bei der Personalauswahl hat man sich eindeutig Mühe gegeben: Executive Chef Oscar Perez, der sich selbst gern als Zündfunke und sein Team als Motor bezeichnet, hat ganze Arbeit geleistet, um seinen Funken auf den Küchenchef des Restaurants Kayuputi überspringen zu lassen. Gede Agung tischte uns ein Drei-Hauben-Menü der Spitzenklasse auf; wesentlich zum Erfolg des Abends trug jedoch Restaurantchef und Sommelier Harald Wiesmann bei – der einzige ernstzunehmende Sommelier auf Bali und vierfache Wine Spectator-Preisträger. Dass er auf den bestsortierten Keller zurückgreifen kann, macht seine kreative Arbeit erst möglich. Und Gourmets, die sein Können zu schätzen wissen, werden mit einem Gedicht belohnt.

1Four Seasons Jimbaran Resort

Four Seasons hat auf Bali zwei Resorts errichtet. Beide fügen sich wie Chamäleons in die malerische Landschaft.

Der Weg ist im Four Seasons Jimbaran Resort das Ziel. Wenn du morgens Frühstücken gehst, musst du dir gut überlegen, ob du alles dabei hast, von der Lesebrille bis zum Anti-Cholesterin-Medikament – ganze 15 Miunten dauert der Marsch von der Villa zum Restaurant (zum Dinner am Beach kommen noch fünf Minuten dazu). Der Weg durch das einem alten balinesischen Dorf nachempfundene Resort ist zwar eine Augenweide, doch das Vergnügen legt sich nach drei Tagen. Wer nicht gut zu Fuss ist, lässt sich von einem Buggy chauffieren. Das Resort ist eines der ältesten auf Bali und über die Jahre wunderbar in die Landschaft eingewachsen. Anders als die modern und cool designten Four Seasons-Resorts hat man sich hier bemüht, trotz Luxus den balinesischen Stil nachzuempfinden. Das ist auch gelungen – zur Freude von General Manager John O’Sullivan, der seinen Job so sehr liebt wie Bali und das seine Gäste auch spüren lässt. Die 147 grosszügigen Villen sind so in den Hang gebaut, dass man von jeder einen tollen Ausblick genießt, sogar vom eigenen kleinen Pool aus. Über die Qualität von Restaurant und Spa braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Wer Four Seasons kennt, der weiß, in welcher Liga sie spielen – leider auch preislich. Dafür ist der Gast aber auch garantiert zufrieden. Für Geld bekommt man hier alles. Der weite Strand lädt zu Spaziergängen ein. Am Abend ist er von hunderten Kerzen erleuchtet, wenn lokale Restaurants günstigen Lobster vom Grill in guter Qualität bieten.
Von COVER 2009 getestet
www.fourseasons.com/jimbaranbay

2Four Seasons Bali At Sayan

Zurück zur Natur! Das zweite Four Seasons Resort auf Bali – in Sayan bei Ubud im Herzen der Insel – wurde 1998 auf ehemaligen Reisterrassen errichtet. Das Hotel sieht aus wie das Raumschiff von Captain Kirk; jedenfalls dürfte der Architekt ein Star Trek-Fan sein. Auch hier sind die Wege vom Zimmer zu Lobby, Restaurant und Pool lang und steil. Einige der Reisterrassen sind erhalten geblieben und werden bis heute bewirtschaftet, was den naturnahen Charme des Resorts unterstreicht. Neben dem Hotel führt ein Fluss vorbei, wo man sich erfrischen oder Einheimischen beim Fischen zusehen kann, letzteres vom Pool aus. Die Villen sind komplett ins Gelände integriert und gänzlich uneinsehbar – wie der eigene kleine Traumgarten, nur exotischer. Das gut organisierte Spa mit dem riesigen Bad im Freien fördert ungemein die Entspannung vor und nach der Massage, das freundliche Personal ist dabei sehr hilfreich. Auch kulinarisch gibt man sich im Four Seasons keine Blöße: Ambitioniert wird hier sowohl balinesisch als auch international einfallsreich gekocht. Die Nähe zu Ubud mit seinen Tempeln, Cafés und Galerien macht auch einen längeren Aufenthalt abwechslungsreich; es gibt hier viel zu entdecken und zu bewundern. Nutzen Sie die Zeit fürs Einkaufen von Kunst, Antiquitäten und Textilien oder machen Sie Ausflüge zu den Reisfeldern und den bezaubernden balinesischen Dörfern, von denen fast jedes seiner eigenen Version von Statuen, Schnitzereien oder sonstigen Abbildungen von Göttern huldigt.
Von COVER 2009 getestet
www.fourseasons.com/sayan

3Anantara Seminyak

Im Anantara macht ein perfektionistischer Hotelmanager den Aufenthalt auf Bali zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Das ist das Ende, dachte ich mir, als ich das Anantara Hotel in Seminyak betrat: Keine Spur vom gewohnten Indiana Jones-Design – hier ist alles ganz modern, gestylt und elegant. Bin ich hier richtig? In Bali ist eben alles anders. Das Four Seasons gibt sich rustikal, das Anantara kubistisch. Doch bei all der Schönheit rundherum hat das Anantara noch einen entscheidenden Vorteil: die Lage. Vorne das Meer, der weite Strand und das Gefühl, in St. Tropez zu sein; hinten das bunte, in Bali übliche Treiben; und hundert Meter weiter die wichtigsten Discos und Nachtclubs: Das ist Action – aber nur, wenn man will. Anantara bietet alle Optionen, vom zelebrierten Sunset auf dem Dach mit anschließendem Nightclub bis zur Gourmetküche im Erdgeschoß. Ivan Casadevall, der charismatische spanische General Manager, hat sein Hotel zu einem der besten auf Bali hochgepusht. Kompromisslos fordert er von seinen Mitarbeitern Höchstleistungen, allerdings auf eine so nette Art, dass die sie wirklich gern bringen. Der Gast spürt das und entspannt sich von Tag zu Tag mehr. Von den perfekt designten Suiten aus hat man genau jenen Blick aufs Meer, den man sich im Urlaub wünscht. Internet ist gratis – genauso soll es sein. Übrigens: Am Strand kann man sich auch massieren lassen, doch im Anantara-Spa ist es wesentlich besser und hygienischer.
Von COVER 2009 getestet
www.bali.anantara.com

4Alila Villas Uluwatu

Ist es ein Hotel – oder die perfekte Kulisse für einen SF-Film? Diese Frage stellt sich wohl jeder, der im Alila Villas ankommt…

Cool ist nicht die richtige Bezeichnung – eher schon megageil, Wahnsinn oder so. Selten hat Architektur derart beeindruckt wie jene der Alila Villas in Uluwatu – auf den ersten Blick jedenfalls. Die Architekten haben ohne Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten ausgerechnet im trockensten Teil von Bali ein zum Großteil auf Wasser basierendes Design geschaffen. Dieser Umstand wird demnächst wohl kostspielig behoben werden; das Resort ist eben ganz neu, und man lernt täglich dazu. Während der ersten Tage kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Freunde utopischer Filme werden hier ebenso entzückt sein wie Hedonisten, die sich gern ein paar Tage in eine tolle Villa mit Privatpool zurückziehen wollen. Der Vorteil eines neuen Hotels liegt auch in der Ausstattung: alles vom Feinsten und technisch auf dem letzten Stand. Die beiden Restaurants (traditionell und westlich) sorgen mit täglich wechselnden Menüs für Abwechslung, sogar die Frühstückskarte variiert. Der Pool ist riesig – und das ist gut so, da das Meer nur über einen Weg zu erreichen ist, der die Klippen hinabführt. Ausflüge zum nahegelegenen Tempel sind sehr beliebt. Vor allem den Sonnenuntergang teilen sich hunderte Besucher mit den Affen, die dort herumtollen. Alila Villas ist ein idealer Ort für Verliebte –  oder um einfach einmal auszuspannen. Bei soviel Schönheit relaxt man umso lieber.
Von COVER 2009 getestet
www.alilahotels.com/uluwatu