Erst war sie nur die blonde Uschi an der Seite von Medienmacher Wolfgang Fellner, heute gilt sie als Medienmacherin mit einem besonderen Gespür für weibliche Leser – ein Leben zwischen Zwölfstunden-Tagen und Jet-Set-Glamour.

Im Akademiehof am Rande der Wiener Innenstadt herrscht gespenstische Ruhe. Sogar der Autoverkehr, der sonst zweispurig zwischen der hochgeschossenen Glasfassade und der weißen Tempelwürde der Secession hindurchdröhnt, scheint innezuhalten. In den Redaktionsräumen der Tageszeitung „Österreich“, sonst ein Wespennest von durcheinanderlaufenden Reportern, hin- und hertönenden Telefonaten und nervösen Zurufen, sitzen nur ein paar verlorene Internetsurfer erschöpft vor ihren Computerschirmen. Ein Grüppchen Redakteure wartet auf der kleinen, halb versteckten Terrasse an der Rückseite des Gebäudes rauchend auf die druckfrische Ausgabe. Es ist die Stunde nach Redaktionsschluss, die kurze Pause, bevor die Arbeit wieder von vorn losgeht – Besprechungen, Recherchen, Aufstellen von Stories für den nächsten Tag. Ein Stockwerk über der Terrasse, verschanzt hinter Stößen von Zeitschriften und Schachteln voller Gratisproben von Cremen, Shampoos und Duftwässern, blickt Herausgeberin Uschi Fellner zufrieden über die Reihen von leeren Schreibtischen. „Das war eine ziemlich hektische Produktion heute“, sagt sie, „aber mir macht Tageszeitung richtig Spaß. Gerade weil alles so schnell geht. Man kann Gesprächsstoff vorgeben, unmittelbar reagieren auf alles, was vorgeht.“ Ziemlich genau ein Jahr ist es her (anno 2006), seit „Österreich“, die jüngste Zeitung des Landes, zum ersten Mal von der Druckerpresse rollte. Ob die Neugründung bereits als erfolgreich gelten darf, darüber gehen die Meinungen in einer hart umkämpften Branche naturgemäß auseinander. Liegt das Blatt bereits bei 16,5 Prozent Reichweite und ist damit zweitgrößtes Tagesmedium des Landes, wie eine selbst in Auftrag gegebene Untersuchung behauptet? Oder haben jene recht, die auf die große Zahl täglich gratis verteilter Exemplare verweisen und meinen, nur durch kostspieliges Pushen könnte sich „Österreich“ am Markt halten? Die Frau des Gründers und Herausgebers Wolfgang Fellner ist mit ihrem Anteil an der Entwicklung jedenfalls zufrieden: „Wir haben uns vorgenommen, eine Zeitung mit einem hohen Frauenanteil zu machen. Heute haben wir sowohl einen hohen Prozentsatz an Leserinnen als auch Redakteurinnen in allen Teilen des Blattes, auch im Sport und in der Wirtschaft. Da spürt man meinen Einfluss auf die Blattlinie.“

Und schon spricht sie über ihr neuestes Kind, das Magazin Madonna, das ab En­de September 2007 der Zeitung jeden Samstag bei­liegen soll, aber auch extra gekauft werden kann, ein Supplement, das sich Lifestyle und Lebensfragen widmet, Frauen ansprechen soll, aber keine Frauenzeitschrift sein darf, „weil das heute niemanden mehr interessiert, Frauen wollen nicht in eine für sie reservierte Ecke geschoben werden.“ Frau Fellner, die Blattmacherin und Zeitungsgründerin, die erfolgreiche Chefredakteurin, die in der Medienszene umrührt? Oder doch eher die blonde Uschi, die mit 20 einen verrückten Jugendzeitungs-Bastler kennen lernte, ihn mit 24 heiratete und sich von ihm durch die zahlreichen Kurven einer gemeinsamen Karriere kutschieren ließ? Beide Sichtweisen finden sich quer durch die Medienszene. Anlässlich eines Vortrags über Frauen in den Medien notierte beispielsweise „Kurier“-Kolumnistin Doris Knecht: „Was kann ich von Uschi Fellner lernen, außer, wie man Herausgeberin wird, indem man einen Herausgeber heiratet?“

Ein Zwölfstunden-Tag

Sie selbst wischt solche Anwürfe beiseite: „In Österreich wird es halt nicht gern gesehen, wenn jemand erfolgreich ist.“ Die Erfolge der letzten 20 Jahre waren jedenfalls gemeinsame: Buchstäblich vom ersten Tag an flossen bei Uschi und ihrem Wolfgang, genannt Wofe, Beruf und Privatleben untrennbar ineinander. Die gelernte Buchhändlerin traf ihren späteren Ehemann 1982 beim „Rennbahn Express“, der schrägen Jugendzeitung, die Wofe mit seinem Bruder Helmut betrieb. Ein Jahr später, bei der Gründung von „Basta“ war sie bereits mit an Bord. Es folgte 1992 „News“, 2001 das zweiwöchentlich erscheinende Frauenmagazin „Woman“, 2006 „Österreich“. Dazwischen brachte sie Kinder zur Welt: Nikolaus, Jennifer, Desirée und Benedikt. Die Familie bedeutet ihr sehr viel, sagt die vierfache Mutter und schüttelt dabei unwirsch den Kopf, weil ihr bewusst wird, dass sie sich da schon wieder in einen der vielen Widersprüche verwickelt hat, die für ihre Person so typisch sind. „Ja, ich weiß, mit dem Tageszeitungsgeschäft ist das schwer vereinbar. Deswegen gehören zwei Abende in der Woche unverrückbar fix den Kindern, was immer auch passiert.“ Wie zum Beweis führt sie ihren Tagesrhythmus vor: Aufstehen vor 7 Uhr, bis 8 Uhr muss Desirée in die Schule gebracht werden, ab 8:30 Uhr sitzt sie in der Redaktion, liest Zeitungen, blättert im Teletext, ruft Webseiten auf. Um 9 Uhr startet der Tagesbetrieb mit der Redaktionskonferenz der Ressortchefs. Dann wird produziert, um 17 Uhr ist Redaktionsschluss. 17:00 bis 21:00 Uhr – Termine mit Anzeigenkunden, Treffen mit wichtigen Interviewpartnern, Besuch von Veranstaltungen. Und wo ist der Mann die ganze Zeit? „Der macht seinen Teil mit. Wolfgang kümmert sich zum Beispiel viel um die Kinder. Er ist ein sehr partnerschaftlicher Typ, und ein guter Vater.“

Ihr Selbstbild zwischen Familie, Karriere, Jet-Set und demonstrativer Weiblichkeit kommt auch in den Büchern zum Ausdruck, die Uschi Fellner verfasst hat – damals, bevor die Tageszeitung kam und ihr gesamtes Zeitbudget für sich reklamierte. In „Wir Rabenmütter“ (1991) bricht sie ein Lanze für Frauen, die trotz Nachwuchs berufstätig bleiben wollen, „Die Zukunftsfrau“ (1996) wirft einen die großen kommenden Themen aus weiblicher Sicht. „Die kleinen Tricks der Klassefrauen“ schließlich wurde ein echter Bestseller, ein Kompendium voll von nützlichen Ratschlägen über die richtige Art, zu gehen, die besten Methoden, um Karriere-Rivalinnen zu bekämpfen, die besten Einkaufsadressen in New York und Mailand. Tipps wie „Signalisieren Sie durch Ihre Kleidung Kompetenz“, „Lachen Sie über die Witze Ihres Chefs, aber nicht zu auffällig“ oder „Lernen Sie, sich schön zu denken“ überzeugten allein in Österreich über 100.000 Käuferinnen. Das war 1993. Im Jahr 2007 antwortete Uschi Fellner auf die Frage einer Tageszeitung, was sie selber gerne liest: „Was ich nicht mag, sind Klischee-Frauenbücher, in denen Klischee-Frauenleben klischeehaft angebiedert werden. Die finde ich geradezu beleidigend.“ Zu den Widersprüchlichkeiten im Leben der Medienmacherin zählt auch ihr Umgang mit Mitarbeitern. „Ich bin eine Teamworkerin“, sagt sie von sich selbst, „für mich ist es wichtig, dass die Chemie um mich herum stimmt.“ Frühere Kolleginnen, die mit ihr bei „News“ das Stockwerk geteilt haben, erinnern sich jedoch auch an knallende Türen, an Schrei-Duelle über halbfertige Manuskripte. „Es kam schon vor, dass sie sich für eine Woche auf ihre Jacht nach Ibiza abseilte und dann kurz vor Redaktionsschluss anrief und alles umwarf“, ärgert sich eine frühere „Woman“-Redakteurin noch heute. Wahr ist aber auch, dass der Großteil des Teams, das bei „News“ und bei „Woman“ mit Uschi Fellner zusammengearbeitet hat, sie zu „Österreich“ begleitete.

Hoch zu Ross

Auf die Jacht („Ein Boot. Schreiben Sie Boot“) will sie ohnehin nicht gern angesprochen werden. Das Image des Millionärsweibchens, der Jet-Set-Glamourfigur, das möchte sich die 45jährige keinesfalls umhängen lassen. „Ich führe kein Luxusleben“, sagt sie, und es schwingt ein verärgerter Unterton mit, „unser Alltag ist normal.“ Sie korrigiert sich: „Er ist bescheiden. Wir arbeiten die ganze Zeit.“ Außerdem, das Boot, das ist Wofes Boot. Sie fährt nur gelegentlich mit, sie ist „überhaupt kein nautischer Typ. Ibiza mag ich gern, aber wenn wir dort sind, dann treibe ich mich viel lieber am Land herum.“ Noch lieber sind ihr allerdings die Mountain Trails in den Bergen südlich von Los Angeles, hoch zu Pferd, allein oder mit der Tochter. Schon seit gut zehn Jahren besitzen die Fellners ein Haus in der südkalifornischen Metropole, im Schnitt verbringen sie dort ein bis zweimal im Jahr ein paar Wochen. „Mein Mann ist ein sehr kalifornischer Typ“, findet Uschi Fellner, „dort findet man auf Schritt und Tritt Leute, die immer etwas Neues anfangen wollen und immer diesen positiven Zugang haben. Mir hilft dieses völlig andere Lebensgefühl zum Auftanken. Ich steige dort aus dem Flugzeug und bin auf Anhieb anders gepolt.“ Wenn sie an den USA etwas stört, dann ist es der Jugend- und Schönheitswahn, der vor allem an der Westküste bis ins Extrem getrieben wird. Die Frau, die seit 15 Jahren in mittlerweile drei verschiedenen Printmedien unter anderem auch für Beauty-, Kosmetik- und Fitness-Stories verantwortlich war, hebt bei diesem Thema sofort kämpferisch die Augen und legt einen vorwurfsvollen Ernsthaftigkeit in ihre Stimme: „Jugendlichkeit ist das große Thema unserer Zeit, der Wunsch nach ewigem Leben in ewiger Jugend befeuert eine ganze Industrie. Ich versuche, mich dem zu entziehen.“ Auch journalistisch? „Im Gegenteil, damit muss man sich befassen, weil es für so viele Menschen wichtig ist. Aber ich würde nie eine Schönheitsoperation machen lassen. Ich kenne so viele Frauen, die vorher hübsch waren, Persönlichkeit und Ausstrahlung hatten, und nachher sind sie vielleicht glatter, aber haben völlig ihr Flair verloren.“

Uschi Fellner weiß, dass sie mit solchen Aussagen Ärger auf sich zieht, denn sie selbst hat leicht reden. Mit ihren 45 sieht sie aus wie 35, lediglich die Handrücken verraten einem aufmerksamen Beobachter, dass diese Frau im Leben schon mehr erlebt hat, als ihr sanftes Gesicht erkennen lässt. „Ich gebe ehrlich zu, dass es mir Spaß macht, wenn ich für jünger gehalten werde. Früher hat es mich gestört, weil damit immer das Gefühl verbunden war, dass man mich nicht ernst nimmt, als harmloses Mäderl abtut.“

Die Sache mit Woman

Ein wichtiger Schritt, in der Branche auch von jenen akzeptiert zu werden, die sie hartnäckig in der Kategorie „Gattin“ führten, war die Gründung von „Woman“. Das Magazin, heute die erfolgreichste Frauenzeitschrift Österreichs, wird auch von Gegnern überwiegend als ihr Werk angesehen, das sie losgelöst vom Ehemann zum Erfolg führen konnte. Kein Wunder, dass der Abgang von dort im Jahr 2006 enorme seelische Verrenkungen erforderte. Ungefähr so: Die Zeitschrift ist ihr Werk, deshalb ist Uschi Fellner stolz darauf, wenn „Woman“ blüht und gedeiht. Zugleich ist es aber auch die stärkste Konkurrenz auf dem Märkt um weibliche Leser und die zugehörigen Inserenten, weshalb Frau Fellner nicht an die Zukunft ihres weggelegten Kindes glauben kann: „Woman hat den Zenith erreicht, es wird sich wohl noch einige Zeit halten, aber eine Steigerung ist nicht mehr drin.“ Oder: „Das war schon ein gutes Produkt, aber man kann nicht immer dasselbe machen.“ Ein Spiegel mit eingebranntem „Woman“-Logo steht in ihrem Zimmer im Regal, an einer Stelle, wo sie ihm beim Schreiben den Rücken zuwendet. Im letzen Jahr ist Uschi Fellner oft gefragt worden, wie es denn für sie wäre, wenn die Tageszeitung ein Flop wird und sie feststellen müsse, dass sie ein erfolgreiches Produkt gegen ein missglücktes Experiment eingetauscht hat. Die Antwort kommt überlegt und routiniert. „Berufliche Rückschläge empfinde ich nicht als Katastrophe. Der wirkliche Luxus in meinem Leben besteht darin, dass ich im Fall des Falles einfach weggehen könnte.“ Und wie wäre ein Leben mit Wolfgang Fellner, dem aufbrausenden, jähzornigen Workaholic, wenn sie beide nichts mehr zu arbeiten hätten? Uschi breitet die Arme aus: „Ach wissen Sie, privat ist er ganz anders. Ich mag vor allem seinen Humor.“